Ein vergrauter Adolf Hitler, eingeschlagene Scheiben, Karaoke im Bus und Ziegen auf der Fähre: Von Bukit Lawang nach Pulau Weh

08. / 09.03.2016

Am Dienstag entschied ich, dass es nun mal Zeit war, Bukit Lawang zu verlassen. Ich weiß, dass ich wieder komme, daher war der Abschied auch nicht soo schwer wie beim ersten Mal. Am Nachmittag nahm ich also den Public Bus von Bukit Lawang nach Binjai um von dort aus weiter  den Nachtbaus nach Banda Aceh zu fahren. Bobi brachte mich zur Bushaltestelle und sagte auch dem Fahrer ganz genau wo ich hinwollte, das stimmte mich zuversichtlich, dass ich auch dort ankommen würde wo ich hinwollte.

Gegen 16h ging es los, über sämtliche Dörfer nach Binjai und der Bus hielt auch gefühlt alle 200 m. Die Indonesier sind übrigens Profis in logistischer Effizienz: Wenn ein Bus für 12 Leute bestimmt ist, fahren sicherlich noch 5 Personen mehr mit und wenn es noch Platz gibt steigen die anderen aufs Dach. Ja und wenn dann noch Kapazitäten frei sind werden noch 3 Hühnerkäfige samt Inhalt dazugestellt. Bei mir war es zum Glück nur voll, die Hühner blieben mir erspart.
Bei einer Baustelle kurz vor Binjai musste der Bus einen Umweg über grüne Reispaddies und kleine Dörfer machen – ich ertappte mich bei dem Gedanken Angst zu bekommen, nicht dort anzukommen wo ich hinwollte. Aber nach 15 min kehrte der Bus wieder auf die asphaltierte Straße zurück und ich war erleichtert. Als wir in Binjai  ankamen fragte ich – auf Indonesisch – wo ich denn aussteigen müsste da ich ja mit dem Nachtbus nach Binjai wollte. Juhu, der Fahrer verstand mich sogar und nach kurzer Weiterfahrt hielt er direkt vor einem der Büros, in denen man Tickets kaufen konnte.
Ich kaufte mein Ticket für den Preis, den ich von Freunden auch mitgeteilt bekommen, hatte, es wurde nicht versucht mich irgendwie über den Tisch zu ziehen, was hier häufig vorkommt.
In einem Warung nebenan ging ich etwas essen. Das klappte auch mit meinen Indonesisch echt gut, es sprach zwar niemand englisch aber im Notfall geht es immer mit Händen und vor allem einem großen Lächeln.
Nach dem Essen beschloss ich, im Ticket-Büro der Reiseagentur zu warten. Mein Blick schweifte gedankenverloren über die Wände, der ehemalige Präsident hing dort, schon etwas vergilbt, Familienfotos und What the Fuck ?!! Auf einem großen DNA 3 Poster blickte doch tatsächlich Adolf Hitler auf mich herab. Crazy. Ich glaube die Indonesier wissen nicht, dass er der größte Geisteskranke der europäischen Geschichte war. Ich habe dann auch mal gegooglet, ganz interessant:
Die Indonesier wissen meist gar nichts über den Holocaust und auch nicht über Adolf Hitler. Das Problem ist, dass Indonesien zwischen 1967 und 1998 vom autoritären Suharto-Regime beherrscht wurde. Der Lehrplan der Schulen wurde natürlich ebenfalls vom Regime bestimmt. Die Schüler lernten nichts außer Geschichten über die Größe und den Ruhm Indonesiens. Das Bildungsministerium untersagte den Lehrern, die Schüler über internationalen Völkermord, politische Gewalt oder Rassenkonflikte zu unterrichten. Die meisten Schüler machten ihren Abschluss, ohne jemals etwas vom Holocaust gehört zu haben. Am einfachsten lässt sich das Verhalten der Indonesier damit erklären, was im Land selbst während des Zweiten Weltkriegs geschah. Nachdem die japanische Besatzung (die von 1942 bis 1945 andauerte) beendet war, marschierten die Holländer ein und übernahmen die Kontrolle. All das endete, als die Republik Indonesien im Jahre 1949 unabhängig wurde. Absolut jede Geschichtsstunde, in der diese Periode behandelt wurde, widmete sich voll und ganz der Unabhängigkeit von Indonesien. Niemand kümmerte sich um die Judenverfolgung.
Hier ist ein kurzer Artikel darüber:
http://www.vice.com/de/read/hitler-und-nazi-merchandise-in-indonesien

Binjai, Nord-Sumatra

Adolf Hitler in Binjai

Um 20h wurde ich von der Mitarbeiterin des Reisebüros zum Bus gerufen. Der war komplett ausgebucht und ich war soweit ich sehen konnte die einzige Weiße. Zu meiner Verblüffung war der Bus nicht nur klimatisiert sondern auch mit Karaoke-Musik ausgestattet, die dröhnend durch den Bus schallte. Ich betete innerlich, dass das doch bitte bald aufhören würde.
Ich nahm meinen Platz ein und fand dort eine Decke und ein Kissen vor Das war ganz gut denn irgendwie hatte ich blöderweise mein Sweatshirt in meinem Backpack verstaut und war auch so nicht wirklich für einen Trip im Nachtbus vorbereitet.
Ein Mann, der vor mir saß, drehte sich um und fragte mich, wohin ich denn wollte und was ich so vorhatte, auf Englisch.
So gegen 22h döste ich ein und war gerade dabei einzuschlafen, da tat es hinter mir eine  heftigen Schlag: Ich drehte mich erschrocken um und stellte fest, dass die Scheibe eingeschlagen war und nun zu bersten drohte. Das Geräusch von schleichend brechendem Glases war deutlich zu hören. Was soll das denn bitte ? Mein Vordermann drehte sich um und erklärte mir, dass dies normal sei und oft vorkommt. Tatsächlich passierten wir 20 min später einen weiteren Bus und er hatte ebenfalls eine eingeschlagene Scheibe, genau an der gleichen Stelle. Am Weg warten wohl Idioten, die Riesensteine auf die Busse warfen. Warum konnte mir niemand erklären, ich vermute es liegt an Konflikten zwischen der Region Aceh und der Region um Medan.
Die Fotos stammen nicht von mir da ich nicht geistesgegenwärtig genug war aber es sah ganz genauso aus:


Einer der Fahrer kam nach hinten und klebte das Fenster mit Tape – der Bus fuhr weiter als wäre nichts gewesen. Nun verstand ich auch, warum die Frontscheibe des Busses mit einem Gitter aus Metall und Stäben geschützt wurde. Etwa eine Stunde später hielten wir, und mehrere Mitarbeiter stabilisierten die zerbrochene Scheibe mit Holzstäben und Tape.
Nun ich versuchte zu schlafen – was eine schiere Unmöglichkeit war. um Mitternacht wurde die Musik wieder aufgedreht und der Bus hielt in jedem Pups-Dorf um Leute ein- und aussteigen zu lassen. Ich gab es einfach auf. Als es sich etwas lichtete wechselte ich den Platz und hatte nun zum Glück zwei Plätze für mich alleine.
Oh an dem Morgen konnte man in Indonesien auch die Eklipse beobachten. Ich konnte das Schauspiel ein wenig aus dem Bus verfolgen, sehr beeindruckend.

Gegen 8h erhielt ich dann eine SMS von Firman einem Freund von Bobi, der in Banda Aceh Bejak-Fahrer ist und den Bobi am Vortag kontaktiert hatte um ihn zu bitten, ich abzuholen. Er schrieb mir, dass er auf mich wartet sobald er von seiner anderen Fahrt zurück ist.

Als ich in Banda Aceh um kurz nach 8h ankam, war ich verdammt froh zu wissen, dass mich jemand abholt. Ich konnte nicht mal aus dem Bus aussteigen, von außen hatten mich ca. 15 Taxi-Fahrer erspäht und jeder wollte mich irgendwo hinfahren. Sorry aber mich hat das in dem Moment einfach nur genervt: Ich hatte eine miese Fahrt, hatte nicht geschlafen und jetzt rissen sich hier alle um mich wie Aasgeier um einen toten Hasen.
Ich sagte einfach. dass mich jemand abholt. Und das mit extrem unfreundlichem Gesicht. Ich weiß, sowas kommt hier in den asiatischen Kulturen absolut nicht gut an und die Menschen machen sich eher noch über einen lustig aber in dem Moment ging es nicht anders. Dann meinte sie doch allen Ernstes : Wenn Dein Freund nicht kommt, dann kann ich Dich ja fahren…
Hallo kapiert’s doch, ich habe jemandem der mich abholt und der auch sicherlich kommt.
10 in später war Firman auch schon da und brach mit mir auf eine kleine Stadtrundfahrt auf. gleich bei der ersten Station traf ich Maya und Sergio wieder, die ebenfalls mit ihrem Fahrer auf der Tour waren. Die Freude über das Wiedersehen war groß. Wir machten dann im großen und ganzen die gleiche Tour: Tsunami-Sights, Boote und ein Informationszentrum.  Das Tsunami-Museum war aufgrund des Nyepi-Feiertages geschlossen.


Da wir alle ziemlich kaputt waren, baten wir unsere Fahrer uns doch bitte zur Fähre zu bringen auch wenn wir noch gen Zeit hatten.
Am Hafen aßen wir eine Kleinigkeit und warteten auf die Fähre nach Pulau Weh.
Nach Pulau Weh kann man entweder die Fast-Ferry oder die Slow-Ferry nehmen. Wir haben natürlich die Slow-Ferry genommen und hatten total viel Spaß. Auf der Fähre wurde von Personen über Ziegen und Hühner über Roller alles transportiert was transportabel ist. Da viele Einheimische aufgrund des Feiertages frei hatten, waren viele Menschen auf der Fähre um 4 Tage auf Pulau Weh zu verbringen. Wir waren die einzigen Touristen und eine kleine Attraktion.
Alle sprachen uns an und wollten Fotos mit uns machen. Ich weiß nicht, auf wie vielen Facebook-Accounts ich in Indonesien erscheinen werde.‘
Ein Frau malte den Mädchen in ihrer Familie wunderschöne Henna-Tattos auf die Hände. Ich ging zu ihr und sagt ihr auf Indonesisch, dass ich das serhr schön finde : „Itu sangat indah“ . Und sie fragte mich, ob ich nicht auch eines haben möchte. Natürlich wollte ich. So malte Jana mir, Maya und sogar Sergio wunderschöne Hennatattos auf die Hände. In Aceh ist dies ein Brauch zu Hochzeiten.


Die zwei Stunden auf der Fähre gingen rum wie im Flug.
Im Hafen suchten wir dann einen Fahrer. Sergio war der Meister im Handeln: Er schaftet es, den Preis für ein Bejak nach Iboih Beach (ca. 40 min vom Hafen entfernt) für 90.000 Rp runterzuhandeln (normalerweise wollen sie 50.000 Rp / Person).
ZU dritt ging es also mit dem Bejak nach Iboih. Auf dem Weg kamen uns einige Makaken entgegen und wir fuhren an schönen Panorama-Punkten vorbei- es war wirklich sehr schön.

Pulau Weh, Bejak,

Sergio, Maya und ich im Bejak auf dem Weg nach Iboih

Pulau Weh, Blick von der Fähre aus
In Iboih angekommen machten wir uns auf die Suche nach einer Unterkunft. Wir hatten ein paar Namen im Kopf und versuchten es zunächst bei Normas. Leider gab es keine freuen Bungalows mehr. Schließlich entschieden wir uns für das Olala. Auch hier hatte Sergio den Preis für einen Bungalow auf 80.000 Rp runtergehandelt – eigentlich hätten wir 120.000 Rp zahlen sollen. Die Chefin bat uns, das für uns zu behalten 😉
Ich hatte einen Bungalow mit Bad, Terrasse und Hängematte mit Meerblick. Total gemütlich. Das ist typisch für Iboih: Die Unterkünfte sind Bungalows die entweder direkt am Meer stehen, Meerblick haben oder etwas weiter im Innern stehen und je nach Blick variiert der Preis.

Am Abend meldete sich dann auch Atim bei mir: Er ist ebenfalls ein Freund von Bobi und wusste von ihm, dass ich nach Iboih zum Tauchen komme. Er ist Divemaster bei Rubiah Tirta Divers, dem ältesten Diveshop von Puau Weh der zudem auch Einheimischen gehört. Es ist echt schön wenn man weiß, dass es Menschen gibt die ich um einen kümmern wenn man alleine irgendwo ankommt. Mir macht das Alleine reisen niemals Angst und – ich klopfe auf Holz – ich war  bis jetzt auch noch nie in einer brenzlichen Situation (bis auf diese Sache im Nachtbus) aber nichts desto trotz tut es gut, jemanden zu kennen.
Wir verabredeten uns also für den nächsten  Morgen im Diveshop.

Mit Maya und Sergio aß ich zusammen zu Abend und dann machen wir uns vergeblich auf die Suche nach Bintang. Tja auf der ganzen Insel gibt es in den normalen Läden keinerlei Alkohol. Und nein, wie ich später erfuhr hat das nichts damit zu tun, dass Aceh muslimisch ist.
Da wir alle ziemlich kaputt waren, hielten wir uns auch nicht mehr lange auf den Beinen und gingen schlafen. Ich war voller Vorfreude am nächsten Tag endlich tauchen gehen zu können.

Hätte ich im Vorfeld gewusst, dass Nachtbusse attackiert werden und die Fahrer so fahren wie sie fahren hätte ich NIEMALS den Nachtbus genommen. Ich bin der Meinung, dass Sicherheit vorgeht und unter den Umständen wäre ich sicherlich von Medan nach Aceh geflogen. Aber ich kannte bis dato nur die sehr komfortablen Nachtbusse aus Malaysia und es hat mir auch im Vorfeld niemand erzählt, dass die Nachtbusse attackiert werden. Ich rate absolut davon ab zu mal die Flüge nicht sonderlich viel teurer sind.

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